„Global Monitoring for Environment and Security“ oder kurz GMES lautet die Bezeichnung einer gemeinsam von EU und ESA gestarteten Technologie-Initiative. Neben dem Satellitennavigationssystem Galileo gilt GMES als ein zweites großes gesamteuropäisches Vorhaben im Erdorbit. Aber auch wenn die bislang bis 2013 dafür vorgesehenen Mittel von rund 1,2 Milliarden Euro aus dem Raumfahrtetat der EU stammen: Ein reines Weltraumprojekt ist GMES nicht. Es geht in erster Linie darum Satelliten- und auf der Erdoberfläche gesammelte Umweltdaten in Form von Datendiensten endlich im großen Stil nutzbar zu machen. Die Salzburger bridge2GEO Partner bilden ein Exzellenz-Zentrum für GMES in Österreich. Gemeinsam mit den Experten im Raum Bonn wird eine einer vertiefte Zusammenarbeit mit den in Bonn ansässigen UN-Institutionen angestrebt.

Bridge2GEO konkret:

Praxisbeispiele zum Download

Bevölkerungsdynamik in Krisengebieten
3D Ansicht der Bevölkerungsdichtekarte des Flüchtlingscamps Zam Zam in Google Earth Methoden der Fernerkundung sind gut geeignet, großräumige Gebiete über einen längeren Zeitraum zu beobachten, in denen eine Datenerhebung am Boden aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist. Dabei werden sichere automatisierte Verfahren der Bildauswertung benötigt, um aus den Daten beispielsweise Informationen über Bevölkerungsentwicklung oder Bevölkerungsdichte zu gewinnen, die Rückschlüsse auf Flüchtlingsbewegungen zulassen. Für derartige von der EU im Rahmen von GMES gewünschten Datendienste ist wissenschaftliche Forschung noch unumgänglich.
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Elektronisches Schadstoffregister
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Mit der EU-Verordnung zum Aufbau eines digitalen Schadstoff-Registers (Pollutant Release and Transfer Register – PRTR) wurde auch Deutschland verpflichtet, eine entsprechende, der Öffentlichkeit zugängliche elektronische Datenbank zu schaffen. Darin müssen Informationen zu Emissionen und Abfallmengen von Fabriken, Kraftwerken, Anlagen der chemische Industrie, Intensivtierhaltungen oder größeren Kläranlagen enthalten sein. Mit einer kartenbasierten Darstellung der Daten im Internet will das Umweltbundesamt für eine gute Verständlichkeit und Transparenz sorgen.
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Das Ziel von GMES ist schnell formuliert: Das auf mehrere Jahre angelegte Programm will auf der Grundlage koordinierter Messungen von Sensoren auf der Erde wie auch an Bord von Fernerkundungssatelliten im Orbit neue und stets aktuelle Datendienste für den Umwelt- und Katastrophenschutz etablieren. Zunächst geht es dabei um Daten zur Land- und Meeresnutzung, aber als ebenso wichtig gelten Daten zur Überwachung der Atmosphäre (Stichwort globale Erwärmung und Klimawandel) und der zivilen Sicherheit (Human Security). Die EU-Kommission sowie zahlreiche internationale, nationale und regionale Organisationen und Fachbehörden benötigen diese Dienste. Nutzer aus der Industrie oder der Landwirtschaft sollen im zweiten Schritt ebenfalls von den Datenprodukten profitieren.

Der Weg dahin dürfte allerdings länger dauern, denn die Kernidee von GMES ist es, solche Datendienste in standardisierter Form zu etablieren und das ist zumindest in Bezug auf Satellitendaten noch Neuland. Auch wenn bereits zahlreiche Satelliten und Sensoren aus Europa und weltweit seit vielen Jahren Daten sammeln: ihre Auswertung ist bislang vielfach ‚Handarbeit‘ von Institutionen wie zum Beispiel dem Zentrum für Fernerkundung der Landoberfläche (ZFL) an der Universität Bonn oder darauf spezialisierten Unternehmen (z. B. WhereGroup). Das Zentrum für Geoinformatik (Z_GIS) an der Universität Salzburg arbeitet seit mehreren Jahren an automatisierten Methoden. Abhängig von den jeweils nachgefragten Informationen, werden Satellitendaten individuell geordert, analysiert und die Ergebnisse an den Auftraggeber übermittelt.

Hier sollen mit GMES neue Maßstäbe gesetzt werden: Für regelmäßig wiederkehrende Auswertungen, etwa im Rahmen von Berichtspflichten der nationalen Umweltbehörden gegenüber der Europäischen Union, sollen aus den Daten einfache, internetbasierte und standardisierte Informationsdienste werden. Satellitendaten sollen langfristig ein fester Bestandteil europäischer Geodateninfrastrukturen (GDI) werden. Deshalb gilt GMES nicht als Weltraumprojekt. Zwar gibt es innerhalb des Programms Planungen für die so genannten Sentinels, neue Fernerkundungssatelliten, die ab 2011 starten sollen, aber knapp die Hälfte des Budgets ist den Bereichen „Daten“ und „Dienste“ gewidmet – und damit Projekten auf der Erde. „Manche in Brüssel nennen GMES deshalb auch das System der Systeme“, erläuterte es Dr. Paul Weissenberg, Koordinator für die europäische Raumfahrtpolitik in der Generaldirektion Unternehmen und Industrie der EU-Kommission bei einer Präsentation der GMES-Planungen in Deutschland, Anfang 2007 in Bonn. Man wolle die vielen nationalen Fernerkundungs- und Erdbeobachtungsprojekte in Europa endlich koordinieren und am Ende zu praktisch nutzbaren Informationsprodukten kommen. Neue Satelliten sollen lediglich einige Lücken in der Datenerhebung schließen.

Damit steht GMES zugleich für die ersten Versuche, so etwas wie die Grundzüge einer europäischen Weltraum-Industriepolitik zu entwickeln. Deren drei Ziele lauten: Stärkere kommerzielle terrestrische Nutzung, Ausbau von Europas Position als High-Tech Region und Beiträge für eine unabhängige europäische Außen- und Sicherheitspolitik.Im Detail resultieren daraus sehr konkrete Projekte und Vorhaben. GMES-Datendienste sollen zum Beispiel in der Land- und Forstwirtschaft zur Erfassung von Sturmschäden oder des Ausmaßes von Waldbränden und Dürren Anwendung finden. Auch das Management von Naturkatastrophen spielt eine Rolle, etwa bei der Abschätzung von Überschwemmungen, Lawinen, oder Erdrutschen. Sicherheitsüberwachung, wie z. B. das Monitoring von Pipelines, und humanitäre Hilfe (etwa die Überwachung von Transporten) sind ebenfalls wichtige Einsatzgebiete für GMES.

Mit Unterstützung aus der Landes- und Bundespolitik wird ausgehend vom Salzburger Zentrum für Geoinformatik der Standort als ein „Zentrum für GMES in Österreich“ ausgebaut. Im Rahmen der „Aktionslinie GMES in Österreich“ vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, die als Teil des österreichischen Weltraumprogramm gestartet wurde, konnte die Salzburger Kapazität ausgebaut werden. Auch künftig soll in Kooperationsvorhaben zwischen Wirtschaft und Wissenschaft an der Entwicklung von Diensten, aber auch an der Stärkung einer „GMES-Nachfragekultur“ gearbeitet werden.